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Der Bildungscheck

Tipps zur Auswahl des Bildungsanbieters

Wie kann ich prüfen, ob meine berufliche Weiterbildung ihr Geld wert ist? Bildungsexpertin Anne Dreyer vom TÜV SÜD gibt Tipps zur Wahl des Anbieters.

Es geht jährlich um Milliarden: Der Staat investiert enorme Summen in die berufliche Weiterbildung seiner Bürger. Doch woher weiß er, ob das Geld gut angelegt ist. „Kurse außer Kontrolle“, titelte im Mai 2017 das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ dramatisch. Laut „Spiegel“ bekamen im Jahr 2016 insgesamt 289.000 Menschen, darunter Arbeitslose und Flüchtlinge, einen Bildungsgutschein ausgestellt, um eine Maßnahme zur beruflichen Weiterbildung zu besuchen. Kostenpunkt: fast 2,8 Milliarden Euro.

Das Problem des Staats: Für die Qualität der Bildungsanbieter gibt es kaum Kontrollmechanismen. Keiner, so beklagt der „Spiegel“, habe bei den Behörden den Überblick, ob Beschwerden zu Konsequenzen führten, und keiner könne von staatlicher Seite die Qualität der Kurse beurteilen.

Wie sieht es dagegen bei der beruflichen Weiterbildung für kommerzielle Unternehmen und Privatpersonen aus? Für diese Klientel gibt es durchaus Anhaltspunkte, an denen man sich bei der Suche nach einem hochwertigen Bildungsanbieter orientieren kann. Bildungsexpertin Anne Dreyer vom TÜV SÜD liefert einige wertvolle Tipps, wie man sich im Vorfeld einer Bildungsmaßnahme über den Anbieter schlau machen kann.

Infomaterialien als Indizien für Qualität

Die Qualität eines Anbieters im Vorfeld zu beurteilen, sei nicht einfach, so Dreyer: „Ob man den Trainer sympathisch findet und ob man die Inhalte im Job gut anwenden kann, weiß man erst, wenn man den Kurs absolviert hat.“ Allerdings gebe es Anhaltspunkte, an denen man sich orientieren kann. Dazu zählen Informationen über die Inhalte auf der Website oder als Broschüren. Je klarer und genauer die Themen des Kurses dargestellt sind, so Dreyer, desto eher könne man davon ausgehen, dass diese später verbindlich und strukturiert behandelt werden.

Nicht zu unterschätzen sind Tipps von Freunden, Bekannten und Kollegen, die den Kurs bereits belegt haben. „Ihr Feedback hilft, die Qualität des Trainings einzuschätzen“, sagt Dreyer. Viele Institute veröffentlichen auch Erfahrungsberichte und Bewertungen ihrer Kunden im Internet.

Was Zertifikate über Bildungsanbieter aussagen

Springt einem auf der Website eines Bildungsanbieters ein Siegel ins Auge, scheint klar: Das Institut ist geprüft, alles gut. Tatsächlich? Ein Zertifikat sollte ja dem Endverbraucher einen verlässlichen Hinweis auf Qualität sein. „Es ist immer gut, wenn ein Anbieter zertifiziert ist. Es zeigt, dass er sich mit der Qualität seiner Leistung auseinandersetzt. Was genau für die Zertifizierung zu leisten ist und wie die Überprüfung abläuft, ist jedoch sehr unterschiedlich“, sagt Dreyer. Als solide und verlässlich seien ISO-Zertifizierungen einzustufen, im Bildungsbereich meist nach der DIN EN ISO 29990 oder der allgemeinen Qualitätsnorm DIN EN ISO 9001. Hier erfolgten ein externes Audit und regelmäßige Nachprüfungen. Ähnlich gut sei die Zertifizierung der Lernerorientierten Qualitätstestierung in der Weiterbildung (LQW) zu bewerten, so Dreyer: „Diese ist genau auf Weiterbildungsanbieter zugeschnitten und beinhaltet eine externe Auditierung.“

Auch Auszeichnungen regionaler Bildungsinitiativen wie das Siegel Qualitätsgeprüfte Weiterbildung aus Hessen, QESplus aus Sachsen oder das ZAW Qualitätssiegel aus Mecklenburg-Vorpommern besitzen meist eine gute fachliche Fundierung. Dreyer warnt jedoch davor, von einem Siegel gleich auf die inhaltliche Qualität eines Seminars zu schließen: „Fast alle beschäftigen sich nur mit der organisatorischen Seite von Trainingsanbietern. Die pädagogische Qualität des Lehr-Lern-Geschehens bleibt jedoch außen vor“, sagt Dreyer.

Was ein wirklich gutes Seminar ausmacht

Was aber genau macht ein Seminar „gut“ oder „schlecht“? Wie ein Teilnehmer eine Weiterbildungsmaßnahme empfindet, ist per se subjektiv und hängt von eigenen Vorlieben und Vorstellungen ab. Gewisse Grundvoraussetzungen, so Dreyer, sollten erfüllt sein, damit ein Training erfolgreiches Lernen ermöglichen kann. Etwa die Lernumgebung: Einen hellen, freundlichen Seminarraum mit bequemem Mobiliar und einer zeitgemäßen technischen Ausstattung kann man durchaus erwarten. Ebenso ausreichend Pausenzeiten mit hochwertiger Verpflegung. Sie helfen, das Gelernte zu verarbeiten und das Gehirn aufnahmebereit zu erhalten.

Darüber hinaus sollten Trainer über exzellentes Fachwissen verfügen und in den verschiedenen didaktischen Methoden bewandert sein. Kann oder will der Trainer Fragen nicht beantworten, sind die Lernenden schnell frustriert und können ihre Fragezeichen nicht beseitigen – klar ein Malus. „Gute Trainer sind auch im Nachgang ansprechbar, um Fragen, die vielleicht erst in der Praxisphase entstehen, zu beantworten. Viele gute Anbieter bieten eine Nachbetreuung, eine hilfreiche Lern- oder Transfer-App oder eine Online-Plattform mit weiteren Informationen und Chat-Funktion für die Teilnehmer“, sagt Dreyer.

Wie kann ich mir selbst ein Bild von der Kompetenz eines Trainers machen?

Wenn es um den Trainer selbst geht, kann ein wenig Recherche nützlich sein. Denn: „Erfahrene Trainer stellen teilweise Videos ihrer Seminare ins Internet. Dies erlaubt einen Eindruck, wie der Trainer vorgeht, wie er spricht und welches Tempo er anschlägt“, erklärt Bildungsexpertin Dreyer. Bietet sich die Gelegenheit, den Trainer im Vorfeld kennenzulernen, sollte man diese nützen: „Der persönliche Eindruck ist immer die beste Option. Gerade in der internen betrieblichen Weiterbildung ist dies oft möglich, zum Beispiel bei internen Trainern oder wenn Kennenlern-Tage angeboten werden.“

Anders als im Fitnessstudio gibt es bei der Weiterbildung keine kostenlosen Probetrainings. Zumindest für Einzelteilnehmer ist eine Probeteilnahme an einem Kurs ist meist nicht möglich. Ausnahmen gibt es manchmal für Personalverantwortliche, die einen Trainer für ihre Firma buchen wollen. In diesem Fall seien viele Akademien gern bereit, einen Live-Einblick ins Trainingsgeschehen zu geben.

Keine Geld-zurück-Garantie im Bildungsbereich

Hat man einen Kurs absolviert und ist nicht zufrieden, wird es schwierig. „Eine Geld-zurück-Garantie gibt es in der Weiterbildung nicht“, sagt Dreyer. „Auch das Nachbessern ist schwierig, wenn ein Kurs erst einmal schiefgegangen ist.“ Denn rechtlich sieht es so aus:  Die Dienstleistung Bildung wurde erbracht, damit ist der Vertrag erfüllt.

Allerdings zeigten sich laut Dreyer gute Anbieter kulant, sollte der Unmut tatsächlich groß sein. Eventuell sind es ergänzende Materialien, die man gratis erhält, ein Einzelcoaching vom Trainer oder ein anderer Kurs des Anbieters, den man kostenfrei oder vergünstigt besuchen darf.

Meist ist jedoch das Seminar gar nicht komplett in die Hose gegangen ist – es war nur einfach nicht so toll. „Dann solle man dem Anbieter in jedem Fall Feedback geben. Zum einen kann der sich nur verbessern, wenn die Kursteilnehmer eine ehrliche Rückmeldung geben. Und vielleicht erhalten Sie ja als kleine Wiedergutmachung ein Buch oder weiterführende digitale Unterlagen“, empfiehlt Dreyer.

Dreyers genereller Rat: Besser im Vorfeld aktiv werden, um Enttäuschungen zu vermeiden. Also die Seminarbeschreibung aufmerksam studieren, ob sie dem entspricht, was man erwartet. Und vorher nachfragen, falls es Unklarheiten gibt. „Wer dann einen Anbieter gefunden hat, mit dem er persönlich gute Erfahrungen gemacht hat, kann dessen Newsletter abonnieren, um rechtzeitig über Kursangebote informiert zu werden.“