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STOP-KEEP-START-Methode

Führung in Zeiten von Industrie 4.0

Wie sieht eine zukunftsfähige Führung aus, wenn Digitalisierung und Industrie 4.0 Einzug halten? Zu den zentralen Kenngrößen zählen immer mehr auch die Lernbereitschaft und -fähigkeit von Führungskräften. Sie haben die Aufgabe, wirksam, integrierend und dabei selbstreflektierend zu agieren und ihren Führungsstil veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Die Methode STOP-KEEP-START unterstützt Führungskräfte in ihrem beruflichen Alltag durch eine einfache und zielorientierte Systematik.

Industrie 4.0 und Digitalisierung verändern zunehmend die Arbeitswelt. Unternehmen aller Branchen und Größen stehen vor der Herausforderung, ihre Strukturen, Prozesse und Ressourcen flexibel zu gestalten. Um damit verbundene Veränderungen erfolgreich im Unternehmen zu etablieren, benötigen Führungskräfte und Mitarbeiter ein hohes Maß an Entwicklungsbereitschaft, Lernfähigkeit und Zielorientierung. Dies gilt insbesondere für Führungskräfte, die als Aufgabe haben, ihre Mitarbeiter und sich selbst weiterzuentwickeln. Daher sind Führungs- und Lernmethoden gefragt, die sich schnell und einfach umsetzen lassen – wie etwa die STOP-KEEP-START-Methode. Ursprünglich als Feedbackmethode im Rahmen von Mitarbeitergesprächen konzipiert, eignet sie sich sowohl zur Selbstführung und Selbstreflexion als auch zur kontinuierlichen Weiterentwicklung von Mitarbeitern, Teams und Organisationen.

Die STOP-KEEP-START-Methode

  • Im ersten Schritt, „STOP“, wird gefragt: Welche Strukturen, Prozesse und Verhaltensweisen sind hinderlich und sollen verändert werden? Und wie sollte es stattdessen laufen?
  • Unter dem Stichwort „KEEP“ folgt eine Besinnung auf die eigenen Stärken und Ressourcen. Hier lauten die zentralen Fragen: Was bringe ich als Führungskraft, das Team oder der einzelne Mitarbeiter mit, um die Ziele zu erreichen? Welche Fähigkeiten sollten beibehalten bzw. ausgebaut werden? Das heißt: Welcher Entwicklungsbedarf besteht, um Ressourcen effektiv zu nutzen?
  • Sind diese Fragen beantwortet, ist man gerüstet für die „START“-Phase. Der Übergang zur konkreten Umsetzung ist in der STOP-KEEP-START-Methode eine logische Folge aus den ersten beiden Schritten. Es geht vor allen Dingen um die Fragestellung: Welche konkreten Führungsmethoden und -tools sollte ich nutzen und wie agiere ich als Führungskraft, um nachhaltig wirksam zu sein?

Die Methode ermöglicht, eigene Ziele klarer zu definieren und umzusetzen sowie diese den Mitarbeitern sachlich, nachvollziehbar und motivierend zu vermitteln.

Auch in der Selbstführung wirkt die Methode fördernd, indem sie einen gangbaren Weg zur Veränderung aufzeigt. „Wer als Führungskraft seine Mitarbeiter und sich selbst gut kennt, weiß wie er Potenziale nutzt und weiterentwickelt.“, erklärt die Trainerin und Beraterin Cary Buraty. Als Trainerin der TÜV SÜD Akademie unterstützt sie Führungskräfte dabei, ihre Fähigkeiten optimal auszuloten und einzusetzen. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür ist das Wissen um persönliche Veranlagungen und ihre Folgen. „Das fällt zum Beispiel auf, wenn Führungskräfte zu mir kommen mit dem Wunsch, extrovertiert zu werden – oder im Gegenteil, lernen wollen, sich besser in den Griff zu bekommen“, berichtet Buraty. „Dabei wäre ich die Letzte, die versuchen würde, aus einem introvertierten einen extrovertierten Menschen zu machen oder andersherum. Es wäre garantiert erfolglos.“

Stattdessen zeigt sie ihren Klienten, wie sie die Gegebenheiten ihrer Persönlichkeit akzeptieren und den Fokus auf ihre Fähigkeiten und Ressourcen richten können. Introvertierte Menschen sind aufmerksame Zuhörer und laufen kaum Gefahr, jemals etwas Unbedachtes zu sagen. Extrovertierte sind zugänglich und gesellig, können andere leicht für ihre Ideen gewinnen. „Wenn ein Vorgesetzter sich zum Beispiel bewusst macht, dass er extrovertiert ist“, so Buraty, „wenn er weiß, was das konkret bedeutet, und dass viele seiner Mitarbeiter ganz anders gestrickt sind, dann kann er in Zukunft wesentlich besser führen.“

Die STOP-KEEP-START-Methode ermöglicht effektive, handlungsorientierte Feedbackgespräche. Aber sie ist auch in vielen weiteren Bereichen einsetzbar, etwa wenn man hinderliche Führungsgewohnheiten ablegen will.

Cary Buraty

Beim Mitarbeiter kann eine offene, persönliche Auseinandersetzung über Stärken und Schwächen sowie Ziele, Chancen und Herausforderungen die Angst vor Veränderung reduzieren – insbesondere wenn Maßnahmen zur positiven Intervention, z. B. Weiterbildungen, aufgezeigt und aktiv angeboten werden. Mitarbeiter lassen sich so ermutigen, häufiger von der Komfortzone in den Lernbereich zu wechseln und sich beständig weiterzuentwickeln. Führungskräfte können hierbei eine Vorbildrolle einnehmen, indem sie ihr eigenes Verhalten konstruktiv beleuchten und Schritt für Schritt optimieren.

Im „Kompaktseminar Führung von Mitarbeitern“ der TÜV SÜD Akademie lernen angehende und erfahrene Führungskräfte, wie sie u. a. durch die Methode STOP-KEEP-START einen authentischen Führungsstil entwickeln, der sie befähigt, sich selbst und ihre Mitarbeiter erfolgreich in die digitale Zukunft zu führen.