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Zehn Fragen an ...

"Digitale und physische Grenzen verschwimmen"

Zehn Fragen an Kerstin Schenk, Projektleiterin bei der TÜV SÜD Akademie.

1. Als Projektleiterin betreuen Sie verschiedene Seminare der TÜV SÜD Akademie. Wie verändert die Digitalisierung den Bereich der beruflichen Weiterbildung aus Ihrer Perspektive?

Es verändert im Prinzip alles. Im Internet und durch den Einsatz digitaler Medien entsteht gerade eine völlig neue Lernwelt. Wir leben in einer Welt, in der digitale und physische Grenzen verschwimmen. Hier schafft die Digitalisierung beim Lernen und Lehren neue Möglichkeiten: Es gibt bereits jetzt eine Menge smarte Ideen und Konzepte für das Lebenslange Lernen mit Hilfe von digitalen Medien oder Plattformen.

2. Wie werden wir Ihrer Meinung nach in der Zukunft lernen?

In der beruflichen Weiterbildung sicherlich durch immer mehr integrierte Lernlösungen – das heißt: Es werden immer mehr kürzere und spezifischere Lerneinheiten passend zu der aktuellen Tätigkeit in das Arbeitsleben integriert. Ebenso wird das Lernen und das Wissen, das wir in unserem Leben ansammeln, zunehmend individueller und in der Kombination einzigartiger. Die Digitalisierung bietet uns zahlreiche Möglichkeiten, wie wir Wissensvermittlung an unseren individuellen und persönlichen Bedarf anpassen können. Ein wichtiger Trend bei den Jüngeren ist etwa das „Selfdirected Learning“: Dabei sucht sich der Lernende die Lerneinheiten selbst und eigenständig zusammen, die er für das persönliche Weiterkommen benötigt.

3. Wie verändert sich das Weiterbildungsangebot bei der TÜV SÜD Akademie?

Es werden inhaltlich zahlreiche Anpassungen und Ergänzungen in unserem Seminar-Portfolio notwendig: Für Datenschutzbeauftragte etwa sind künftig weitaus mehr IT-Kenntnisse gefragt.

Außerdem gibt es immer mehr neue Themen durch die zunehmende Digitalisierung. So fordert etwa der Gesetzgeber Informationssicherheit. Unternehmen müssen also ihre IT-Strukturen und -Prozesse dementsprechend anpassen.
Bei der TÜV SÜD Akademie entstehen durch diesen neuen Bedarf unserer Kunden völlig neue Seminare wie „Information Security“ oder „ITIL Foundation“.

Was die Methodik betrifft: Wir nehmen vermehrt Webinare und E-Learning-Angebote in unser Portfolio auf. Dann gibt es ergänzende E-Learning-Module zu unserem bestehenden Seminarangebot, um die Verbindung zwischen Präsenzseminaren und der digitalen Welt zu schaffen.

4. Können Sie da etwas konkret nennen?

Wir haben etwa im Bereich Gesundheitswesen eine Reihe kostenfreier Webinare zu Themen wie der Röntgenverordnung, der Medizinprodukte-Betreiberverordnung oder zum Klinischen Risikomanagement. Dieses Angebot wird sehr gut angenommen. Die Kunden bekommen einen groben Überblick über das jeweilige Thema und haben die Möglichkeit, unsere Referenten und unsere Expertise kennenzulernen. Nicht wenige überzeugt dies, auch eines unserer Präsenzseminare zum Thema zu besuchen. Brandneu ist auch ein E-Learning zum Thema „Telemedizin“, das gerade erst im Juni 2017 an den Start gegangen ist.

5. Wandeln sich auch spürbar die Bedürfnisse der Kunden?

Die Anfragen ändern sich langsam in Richtung digitale Angebote. Immer häufiger fragen Kunden danach, wie weit wir in diesem Bereich schon sind. Viele sind jedoch noch auf Lösungssuche und haben daher wenig konkrete Vorstellungen. Ich habe mich kürzlich mit einem Leiter Qualitätsmanagement unterhalten, der spannende Ideen hatte: unter anderem die von einer internen Plattform, auf welcher Kurse, Weiterbildungsangebote und Einweisungen digital abrufbar sind. Eine Art virtuelle interne Universität also. Seine Vision war, das jeder Mitarbeiter dort einen Zugang hat und dort seine Kurse absolvieren kann. Auf diese Weise könnte man die eigenen Mitarbeiter automatisch auf anfallende Schulungsmöglichkeiten und auch -bedarf aufmerksam machen.

6. Wie ändert sich durch all diese Entwicklungen Ihre Arbeit im Bildungsmanagement?

Die Veränderungen erhöhen nicht nur die Anforderungen an Lehrende und Lernende, sondern an jeden Einzelnen von uns in der Prozesskette. Das betrifft den Entwicklungsbereich genauso wie den Vertriebsmitarbeiter oder die Dienstleistungserbringung, die wir als Projektleiter intensiv bei der Durchführung betreuen. Die Trainer müssen sich an den Umgang mit digitalen Methoden gewöhnen. Genauso müssen Projektleiter Berührungsängste abbauen, um die Neuerungen dem Kunden zu erklären und sie zu managen.

Um all diese Herausforderungen zu meistern, haben wir ein groß angelegtes, internes Veränderungsprojekt zur „Digitalen Transformation“ gestartet. Im Rahmen dieses Projektes wurden die unterschiedlichsten Herausforderungen identifiziert, um sie in kleinen agilen Projektgruppen zu bearbeiten. Nahezu jede Einheit der TÜV SÜD Akademie ist hier involviert. Das macht das Ausmaß deutlich, wie sehr sich diese Entwicklungen in unserem Tagesgeschäft spürbar machen.

7. Wie verändert die digitale Transformation Ihren Alltag?

Menschen und Organisationen in Veränderungsprozessen finde ich persönlich immer sehr spannend. Mein Motto lautet: „Wenn der Wind der Veränderung weht, setzen die einen die Segel und die anderen bauen Mauern.“ Ich zähle mich zu den Ersteren: Ich bringe mich hinter den Kulissen gestaltend mit ein und setze mich als „Arbeitspaketleitung“ dafür ein, den Kollegen im Verlauf dieses Veränderungsprozesses vielmehr die Möglichkeiten dieser Veränderung ins Bewusstsein zu rufen und sie zu ermutigen, die Hürden und Mauern zu überwinden – quasi wie eine „Botschafterin der Veränderung“.

Konkret heißt das, dass ich eine interne Veranstaltungsreihe im Rahmen des Projekts „Digitale Transformation“ moderiere. Sie trägt den Namen „NeugierZeit“ und soll die Kollegen wörtlich neugierig machen auf die spannenden Entwicklungen.

8. Was passiert bei „NeugierZeit“ genau?

Wir wollen eine positive Veränderungsenergie schaffen. Gleichzeitig aber den Kolleginnen und Kollegen Raum und Zeit zu geben, um sich spielerisch mit möglichen Zukunftsszenarien auseinanderzusetzen. Und ihnen zeigen, wie diese Zukunft funktionieren kann. Dafür hat man im Alltag leider nur selten Zeit.

Dabei sehen wir uns nicht nur als Input-Geber: Wir wollen auch die Ideen der Kollegen ans Tageslicht fördern und sie miteinander zu vernetzen. Wir haben so viele schlaue Köpfe in der Akademie – diese gezielt zum Thema „Digitale Transformation“ zusammen zu bringen, ist eine spannende Herausforderung und unsere Mission.

9. Nicht jeder tut sich leicht mit Veränderung. Wie kann man denen, die Probleme haben, den Schritt in die neue Arbeitswelt erleichtern?

Wir wollen eine positive Veränderungsenergie schaffen. Gleichzeitig aber den Kolleginnen und Kollegen Raum und Zeit zu geben, um sich spielerisch mit möglichen Zukunftsszenarien auseinanderzusetzen. Und Ihnen zeigen, wie diese Zukunft funktionieren kann. Dafür hat man im Alltag leider nur selten Zeit.

Dabei sehen wir uns nicht nur als Input-Geber: Wir wollen auch die Ideen der Kollegen ans Tageslicht fördern und sie miteinander zu vernetzen. Wir haben so viele schlaue Köpfe in der Akademie – diese gezielt zum Thema „Digitale Transformation“ zusammen zu bringen, ist unsere Mission.

10. Wie ist die Beteiligung aus den 20 Trainingscentern der TÜV SÜD Akademie?

Wir haben für die ersten Veranstaltungen ein super Feedback und sehr viel Beteiligung bekommen. Das zeigt: Die TÜV SÜD Akademie ist bereit für Veränderung. Unsere Kolleginnen und Kollegen wollen nicht nur etwas präsentiert und vorgesetzt bekommen, sondern wirklich dabei sein: Viele sprechen mich auch an und fragen mich, wie sie mitwirken können. Natürlich können die Kollegen an dieser Veranstaltung nicht nur live vor Ort teilnehmen, sondern es gibt – ganz im Sinne der Digitalen Transformation – einen LiveStream, der in alle Regionen übertragen wird und wodurch jeder auch digital an der ‚NeugierZeit‘ teilnehmen kann.

Zur Person

Kerstin Schenk, Jahrgang 1981, ist als Projektleiterin für verschiedene Seminare des Weiterbildungsportfolios der TÜV SÜD Akademie zuständig, darunter im Bereich Gesundheitswesen, Information Security und Datenschutz. Die gelernte Marketing Managerin (MSc.) ist seit 2015 bei der TÜV SÜD Akademie und versteht sich als wissensdurstig und querdenkend. Im Privaten ist sie begeisterte Seglerin und ihr Motto für Zeiten des Wandels lautet: „Wenn der Wind der Veränderung weht, setzen die einen die Segel und die anderen bauen Mauern.“ Mit diesem ‚Spirit‘ leitet und moderiert sie das interne Projekt „NeugierZeit“.