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Einsatz von Bildungsmedien

Bunt, bewegt, digital – und auch effizient?

Ein Unternehmen ist immer nur so modern wie die Tools, die es einsetzt. So lautet jedenfalls eine weit verbreitete Meinung. Digitale Büros? Selbstredend. Kundenkontakt per Mail und Chat? Klar. Marketing und Kundenbindung über Social-Media-Kanäle gehören ebenso zur modernen Unternehmenskultur wie eine suchmaschinenoptimierte Website. Und dass ein Kunde mit seinem Ansprechpartner über Smartphone oder Tablet schnell und einfach kommuniziert – sowieso. Und dann Mitarbeiterfortbildung mit Lehrbuch, Frontalunterricht und Flipchart? Mit gespitztem Bleistift Aufgaben lösen, wie vor 20 Jahren – ernsthaft?

Das gute alte Flipchart zeigt den kreativen Prozess

„Old Media“, also herkömmliche Bildungsmedien, müssen nicht unbedingt ein Nachteil sein – und schon gar nicht ein Rückschritt. Für Regina Koller, Geschäftsführerin der IKW team GmbH in München, geht es um den Lernprozess an sich: einen sozialen und emotionalen Prozess. „Der gute alte Workshop kann auch die passende Lösung sein, wenn es um intensiven, kreativen und direkten Austausch geht“, sagt Koller. „Auf einem Flipchart können Sie schreiben, zeichnen, aufkleben und durchstreichen. Mit so einem aus der Dynamik der Gruppe heraus entstandenen Plakat dokumentieren Sie den kompletten kreativen Prozess – das ist über eine Tastatur bedeutend schwieriger.“

Für jeden Zweck das richtige Medium

Um keinen Irrtum aufkommen zu lassen: Für Koller hat „New Media“ einen wichtigen Stellenwert im Bereich Kommunikation und Bildung. „Neue Medien sind hilfreich, wenn sie den Lernprozess unterstützen und einen Mehrwert bieten“, sagt sie. Richtig eingesetzt können laut Koller diese Techniken die Informationsvermittlung und den Lernprozess bereichern. So würden etwa animierte Grafiken bei prozesshaften Inhalten schneller erfasst als Texte oder statische Schaubilder. Oder bei Projektgruppen: Hier seien virtuelle Communities von Vorteil, um räumlich und zeitlich unabhängig zu arbeiten. Es gilt also, für jeden Zweck das richtige Medium zu wählen.

Eine breite Palette ist gefragt

Bei ihren Projekten bietet Koller eine breite Palette an unterschiedlichen Bildungsmedien und Marketingmaterialien: etwa Projektportale im Intranet oder Printmedien, die auch digital aufbereitet werden, sowie individualisierbare PDFs, die durch interaktive Elemente Aktivierung ermöglichen. Vernetzung ist dabei durch Links auf Intranetseiten oder Websites gegeben, aber auch durch Lernmanagement-Systeme, E-Mail oder auch einmal ein Erklärvideo, das allen Mitarbeitern eine Problematik anschaulich vermittelt.

Video oder Handbuch – die Aktivierung muss stimmen

Doch worauf kommt es überhaupt an? Im Zentrum der Didaktik steht das Ziel, den Lernenden zu aktivieren, Lerninhalte zur Auswahl zu stellen und an das Vorwissen anzuknüpfen, um neues Wissen zu konstruieren. Interaktion mit anderen sollte ebenso möglich sein, emotionale und motivationale Aspekte sollten berücksichtigt werden. Das muss sich auch in den Bildungsmedien widerspiegeln. Für Koller ist es dabei unerheblich, ob ein Lehrvideo oder ein Handbuch eingesetzt wird. Hauptsache, es entspricht den Kommunikationszielen und dient der Aktivierung.

Eine mögliche Gefahr von „New Media“: Je unterhaltsamer ein Medium und je leichter der Inhalt auf den Teilnehmer wirkt, umso weniger bleibt hängen – da der mentale, aktive Verarbeitungsprozess auf der Strecke bleibt. Dennoch spricht nichts gegen Kommunikationsmedien mit hohem Unterhaltungswert – solange klar ist, dass der Spaß das vorrangige Ziel ist.

Motivation entsteht weder durch Didaktik noch durch Unterhaltung.

Regina Koller

Um den unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung zu tragen, hat es sich bewährt, auffällige und unterhaltsame Bildungsmarketing-Materialien einzusetzen, die ein didaktisch hochwertiges Bildungsmedium „bewerben“, so Koller. Wichtig also: Man muss zwischen Bildungsmedien, die auf Aktivierung zielen, und Bildungsmarketing, das Aufmerksamkeit erzeugt, differenzieren. Die Kombination kann hier der Königsweg sein. „Mit klugen Cross-Media-Ideen“, so Kollers Lösung, „lassen sich analoge und digitale Medien elegant verbinden.“

Manchmal ist digital normal und analog außergewöhnlich

Koller verweist auf eine interessante Entwicklung im Bildungsmarketing: Je moderner ein Unternehmen aufgestellt ist, umso mehr Aufmerksamkeit erzeugen traditionelle Elemente. „In stark digitalisierten Firmen fällt man mit einer Postkarte oder einem Kantinentablett-Aufleger inzwischen mehr auf als mit einem animierten Banner oder Newsletter.“ Digital kann also heutzutage normal sein, und analog das Besondere – hier kann „Old Media“ durchaus „New Media“ schlagen.

Bei unterschiedlichen Erwartungen hilft nur Kommunikation

Für die Bildungsanbieter stellt sich jedoch manchmal das Problem, dass bei einem Kunden unterschiedliche Erwartungen bestehen. Etwa, wenn der Chef Innovation erwartet, die Marketingabteilung repräsentatives Lernmaterial. Und die Mitarbeiter, die an einer Schulung teilnehmen, Unterhaltung oder Abwechslung vom Arbeitsalltag wünschen. Hier hilft, so Koller, nur Kommunikation. Und der aktive Schritt, den Erwartungshorizont zu klären. Solange die offensichtlichen und versteckten Ziele nicht klar sind, sei die Entscheidung für oder gegen ein Lehrmedium nur allzu oft emotional begründet. Entsprechend fundiert muss also die Beratung sein: „Die Herausforderung im Bildungsbereich ist, dass Didaktik nicht sichtbar und schon gar nicht sexy ist. Eine tolle Animation erkennt jeder, gute Didaktik nur die Fachleute.“

Profil

Regina Koller ist Diplomingenieurin (FH – Schwerpunkt Produktmanagement), zertifizierte Erwachsenenbildnerin und seit 2000 Geschäftsführerin der IKW team GmbH in München. Ihr Beitrag „Old School und New Media: Das richtige Medium für Bildungsprojekte“ ist im Jahrbuch Bildungs- und Talentmanagement 2016 der TÜV SÜD Akademie zu finden.

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